Diese Seite drucken

Blasorchester Sprötze

Die Idee, einen Musikzug im Schützenverein Sprötze-Kakenstorf e.V. zu gründen, entstand bereits im Jahre 1975.

Es ist gute Tradition, dass zum Schützenfest, außer dem Spielmannszug, auch eine Blaskapelle zu den Ummärschen und der Proklamation des Schützenkönigs engagiert mitwirkt. Ferner ist es üblich, dass Goldene Hochzeiten und Beerdigungen von Mitgliedern des Schützenvereins durch Blasmusik begleitet werden.

Hierfür griff man auf Bläsergruppen zurück, die aus Ruheständlern gebildet wurden. Leider war die Zuverlässigkeit dieser Gruppen nicht immer gegeben. So wurde der Vorstand des Schützenvereins mehrmals von den Musikern versetzt; zunächst auf einer Goldenen Hochzeit, später auf einer Beerdigung eines Schützenbruders.

Dieses war der eigentliche Anlass zur Gründung eines Musikzuges im Schützenverein.

Im April 1976 wurde auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen, einen Musikzug aufzubauen. Bestärkt durch die Überlegung „Was in Bayern in jedem kleinen Dorf möglich ist, muss auch bei uns in Sprötze möglich sein“, rief Werner Böhring in der Presse dazu auf, dass sich musikbegeisterte Interessenten bzw. Musiker bei ihm bis zum 15. Mai melden sollen. Bereits nach den Sommerferien soll mit dem Übungsbetrieb begonnen werden. Instrumente wurden von dem kurz zuvor aufgelösten Posaunenchor in Sprötze, sowie von der ebenfalls aufgelösten Feuerwehrkapelle in Buchholz erworben. Mehr als 17 Instrumente standen anfänglich zur Verfügung.

Es begann die Suche nach Ausbildern. Der Leiter der Grundschule in Sprötze, Herr Erich Wendebourg war bereit, die theoretische Ausbildung (Notenlehre) zu übernehmen. Für die musikalische Leitung und praktische Ausbildung fand sich Hermann Gratzer, ein frühpensionierter Tubist des „Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg“.

Leider starb Hermann Grazer im Mai 1977 plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt, ohne die Früchte seiner Arbeit jemals ernten zu können. Zunächst führte Albrecht Schröter die Probenarbeit weiter. Doch bald schon war ein Nachfolger gefunden. Der Hamburger Pastor Rudolf Preuß schloss die Lücke, die Hermann Grazer hinterließ.

Zum Schützenfest 1977 konnte bereits das Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ unter der Leitung von Rudi Peters aufgeführt werden.

Doch die Zusammenarbeit mit Herrn Pastor Preuß währte nicht lange. Es kam zu Differenzen über die Gestaltung der Probenarbeit und Herr Preuß zog sich zurück.

Der amtierende Schützenkönig von Trelde hatte sich zu seinem Fest „echte“ Profimusiker bestellt: Angehörige des „Luftwaffenmusikcorps 4“ aus Hamburg. Darunter befand sich ein 25 Jahre alter Flügelhornist namens Eugen Ege, der durch seine Virtuosität besonders auffiel. Werner Böhring nahm sofort Kontakt zu ihm auf und versuchte Eugen Ege für die Leitung der Musikgruppe zu gewinnen. Doch die Verhandlungen verliefen etwas zäher als erwartet, denn Eugen Ege stellte folgende Bedingungen:
1. Jeder Musiker soll Einzelunterricht bekommen.
2. Die theoretische Ausbildung muss umfangreicher sein.
3. Es bedarf absoluter Disziplin jedes Einzelnen.

Kurz darauf sagte er zu und übernahm die Ausbildung und Leitung mit großem Engagement, Professionalität und Disziplin. Dieses hatte sich sehr bald positiv bemerkbar gemacht.

Schon im folgenden Jahr 1978 wurden die Auftritte zahlreicher. Es boten sich jeden Sommer die Schützenfeste in der näheren und weiteren Umgebung an. Auch zu Jubiläumsfeiern, Ehrungen, Einweihungen, Tag der Offenen Tür, Sportveranstaltungen, Benefizveranstaltungen und vielem mehr wurde das Orchester eingeladen. Es wächst bald auf 60 Mitwirkende an. Der Grundstein zu einem bis heute weit über die Ortschaft Sprötze hinaus bekannten Orchester war gelegt.

Die musikalische Umrahmung des Schützenfestes in Sprötze (Ummärsche, Zapfenstreich, Konzert im Festzelt, Proklamation) wurden von da an  alljährlich vom Blasorchester Sprötze gestaltet. Ferner war seit 1979 das Blasorchester Sprötze mit seinem Platzkonzert ein fester Bestandteil des Stadtfestes in Buchholz.

Der Zapfenstreich, der traditionsgemäß zum Kommersabend der Schützenvereine gehört, wurde inzwischen so herausragend vom Blasorchester ausgeführt, dass viele Nachbarvereinen das Orchester für ihre Zapfenstreiche bestellten. Gemeinsam mit dem inzwischen verjüngten Spielmannszug im Schützenverein Sprötze-Kakenstorf, wurde der Zapfenstreich zu einem Höhepunkt des Kommersabends auf dem Sprötzer Schützenfest.

Zu den regelmäßig wiederkehrenden Auftritten zählten bald das „Harburger Vogelschießen“ (hier besonders der Zapfenstreich vor dem Harburger Rathaus) und das am nächsten Tag stattfindende Spargelessen, das Landeskönigsschießen in Nenndorf, Schützenfeste in Buchholz, Kampen, Tostedt, Todtglüsingen, Winsen, Jesteburg, Marmstorf, usw., der Landeskönigsball im CCH in Hamburg und der Dorfabend sowie das Dorffest in Sprötze.

Später bot das Orchester regelmäßig Konzerte in der Turnhalle der Grundschule an, die immer sehr gut besucht warenn. Das Repertoire hatte derweil einen großen Umfang angenommen. Es wurden Kompositionen aus der Oper, Operette, Klassik, Rock-, Pop-, Jazz-, sowie Tanzmusik, Märsche aber auch Choräle und Kirchenmusik einstudiert und exzellent dargeboten.

In den folgenden Jahren wurde nicht nur viel Musik gemacht, auch wurden Freundschaften zu anderen Orchestern gepflegt, die sich durch gegenseitige Besuche und gemeinsames Musizieren auszeichneten. Besonders hervorzuheben war hier die deutsch-französische Freundschaft zu dem Orchester „Harmonie de Pont Sainte Marie-Lavau- Creney, die 1982 von Werner Böhring mitbegründet und urkundlich festgehalten wurde und im Jahr 2007 ihr 25jähriges Bestehen feiern konnte. Aber auch die gegenseitigen Besuche mit dem Orchester aus Hainstadt bei Frankfurt (1980 durch den Schlagzeugausbilder Peter Ehmes initiiert), die bis 1990 stattfanden sowie der ab 1991 bestehende Kontakt zu dem Orchester aus Mittelbiberach, Eugen Eges Heimat, wurden Teil des Orchesterlebens.

Einige Auftritte bleiben besonders in Erinnerung, wie z. B. 1987 beim internationalen Derby in Hamburg-Klein-Flottbek, 1991 das Konzert mit dem Orchester aus Mittelbiberach in Buchholz mit über 1000 (!) verkauften Karten, Sylvester 1991 der Eintrag in das „Guinness-Buch der Rekorde“ (Konzert über den Wolken in 10.000m Höhe mit Justus Franz und dem Kammerorchester aus Warschau), 1994 die Mitwirkung bei einer RTL-Serie sowie viele weitere Konzerte.

Offizielle Anerkennung der geleisteten Orchesterarbeit erhielt das Orchester 1986 durch die Verleihung des „Kulturförderpreises des Landkreises Harburg“ sowie 1997 durch den „Kulturförderpreis der Stadt Buchholz“.

Ende 2002 droht dem Blasorchester das Aus. Eine Zusammenarbeit zwischen dem Dirigenten Eugen Ege und dem Schützenverein Sprötze-Kakenstorf schien nicht mehr möglich, die Musiker bangten um den Fortbestand des Orchesters.

Bei den Orchestermitgliedern bestand aber weiterhin der Wunsch, gemeinsam zu musizieren. Es wurde der Gedanke zur Gründung eines eigenständigen Vereins entwickelt. Nach langen Gesprächen zwischen den Musikern und Eugen Ege erklärte sich dieser bereit, dem „neuen“ Orchester als Dirigent zur Verfügung zu stehen.

Am 17. Februar 2003 wurde das Blasorchester Sprötze e.V. gegründet. Ab diesem Jahr präsentierte sich das Orchester auch erstmals mit einem eigenen Stand auf dem Stadtfest in Buchholz.

Im November 2004 wurde die von der Bundestagsabgeordneten Monika Griefhahn initiierte CD „Weltklasseklänge“ vorgestellt, auf der das Blasorchester neben Musikgrößen wie Dieter Bohlen, Udo Lindenberg, Truck Stop und den Wiener Philharmonikern zu hören ist.

Seit April 2006 hat die Kapelle den Namen "Blasorchester Sprötze e.V." abgelegt und heißt jetzt  "Stadtorchester Buchholz e.V".

Zurzeit gründet sich ein neues Blasorchester in Sprötze


vorige Seite: Historisches
nächste Seite: Kontakt